Stellungnahme zur Kündigung der CERN-Mitgliedschaft Österreichs


Unsere größte Forschungsgruppe, inklusive eines FWF-finanziertes Doktoratskollegs, beschäftigt sich mit Elementarteilchenphysik. Wir sind bestürzt über den überraschenden Beschluss, den Vertrag mit CERN 2010 zu kündigen. CERN ist das erfolgreichste gesamteuropäsche Naturwissenschaftsprojekt. Die Ergebnisse sind zwar vor allem im Bereich der physikalischen Grundlagenforschung, sie haben jedoch Auswirkungen auf viele weitere Zweige der Physik, der Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Die für die Experimente notwendige technische Entwicklungsarbeit am CERN hat ungeahntes Know-How gebracht, dessen Relevanz auch für Österreichs Wirtschaft (und Wissenschaft) kaum abschätzbar ist. Methoden und Verfahren, die gleichsam als Nebenprodukt am CERN entwickelt wurden, haben Wesentliches zur Experimentiertechnik anderer Naturwissenschafstzweige sowohl in Grundlagenforschung als auch in anwendungsorientierer Entwicklungsarbeit beigetragen. Zahlreiche österreichische ForscherInnen haben durch längere oder kürzere Aufenthalte am CERN zur Wissenserwerb und Transfer nach Österreich beigetragen. Das österreichische DoktorandInnenprogramm war beispielgebend für andere Nationen, der Einfluß auf die Qualität der hiesigen Forschung war und ist unbezahlbar.

Ein Auszug Österreichs und nachfolgende Entscheidungen, welche die universitäre und nicht-universitäre Forschungslandschaft sehr beeinflussen werden, haben eine katastrophale Signalwirkung, auch gegenüber den anderen europäischen Staaten.

Wir ersuchen dringend, die Entscheidung zu überdenken.

(Institut für Physik, Fachbereich Theorie, Universität Graz)


Siehe auch CERN - SOS

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